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03.12.2020

Moment mal...


Weinendes Kind
Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen gehören die Momente, in denen ich zu meiner Mutter flüchten konnte, wenn ich mich gestoßen oder verwundet hatte, wenn es in der Grundschule Ärger oder eine schlechte Note gab oder ich einfach traurig war. Dann nahm sie mich in ihre Arme streichelte meinen Kopf und sagte ein tröstendes Wort. Ihr konnte ich alles sagen, und auch dann, wenn sie mir mal nicht helfen konnte, half es mir, wenn sie mir zuhörte. Zu meinem Vater mochte ich nicht gehen. Er war eher der „starke Typ“. „Jungen weinen nicht!“, sagte er zu mir – oder auch: „Stell’ dich nicht so an, aus dir soll doch ein Mann werden!“

Mittlerweile bin ich alt geworden, habe erkennen müssen, dass es im Erwachsenenleben andere Probleme gibt: in der Gesundheit, im Beruf, im privaten Umfeld, in der Familie. Da bauen sich manchmal ganz schön dunkle Wolken auf, und dann ist da keine Mutter, die diese Wolken wegpustet oder beiseite schiebt. Wo finde ich als Erwachsener Trost? Im Alkohol? Bei einem Psychotherapeuten? In der Verdrängung? Durch Ablenkung? Die Werbeindustrie verspricht uns vieles: Nimm dies oder das, und du wirst wieder glücklich. Aber ich weiß: Die Mutter meiner Kindheit können sie alle nicht ersetzen. Außerdem: Ich bin ja jetzt ein Mann, und Männer weinen nicht! Oder doch? Ich denke schon, dass das auch Männern passieren kann, denn auch sie werden schwach, sind hilflos und müssen erkennen, dass sie ihre Grenzen haben.

Wo ist dann Hilfe? Gott sagt uns, also Frauen und Männern: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jeremia 66,13) Das ist eine Zusage. Gott, der Vater, der strenge, der uns die Gebote gab und auf ihre Einhaltung achtet, will uns trösten, wie es nur eine Frau, eine Mutter kann. Wie tröstet denn eine Mutter? Ich habe es anfangs beschrieben. Sie nimmt ihr Kind in den Arm, stillt sein Schluchzen, ist mit dem Kind betrübt, leidet mit und hat ein Ohr für alle seine Klagen. Vor ihrem Ohr muss ich als Kind nichts verschweigen. Der Vater im Himmel, der uns Mutterliebe schenkt: So etwas gibt es nur bei Gott. Und ER hat gute Worte für uns: „Kommt her, die ihr mühselig und beladen sei!“ – „All eure Sorge werft auf mich!“ – „Ich bin bei euch alle Tage.“ Wer Gott so einmal kennengelernt hat, wird sich IHM immer wieder anvertrauen.

Uwe Bachmann
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