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22.10.2019

Moment mal...


Löwenzahn (von Ferdinand Ohms  / pixelio.de)
Auf einem Radweg begegnet mir immer mal wieder ein kleines Wunder: Mitten im Asphalt wächst und blüht ein kräftiger Löwenzahn und fällt jedem Betrachter richtig ins Auge. Ich habe seine Entwicklung Bild für Bild miterleben dürfen, weil ich des Öfteren dort fahre. Zuerst wölbte sich der Asphalt, dann entstand ein kleines Loch, ein kleiner Halm kam zum Vorschein, aus ihm entwickelte sich ein kleines Blatt, und mittlerweile war die Asphaltdecke weiter aufgebrochen. Jetzt befindet sich ein richtiges Loch darin, das beherrscht wird von dem Löwenzahn. Wenn das kein Wunder ist! Da ist diese dicke, feste, zentimeterstarke Decke, völlig undurchlässig, und die wird durchbohrt und hochgehoben von einer zarten Pflanze. Unmöglich! Und doch erlebbar.

So anrührend ist auch ein Sonnenuntergang oder ein Blick auf das weite Meer, ebenso wie die Sicht vom Gipfel eines Berges oder auch ein Bad frühmorgens eben nach Sonnenaufgang in einem stillen See. Wir lesen vom Staunen der Astronauten, die die Erde umkreisen. Das sind Blicke, die ein Leben verändern. Wer solche Momente planen, konservieren oder bewerten will, dem fehlt etwas ganz Bestimmtes: Ehrfurcht und Demut. Demut zeigt sich im Staunen, Ehrfurcht im Danken – und beides gilt dem, der das alles geschaffen hat und uns schenkt: Gott. Einige Menschen werden sprachlos, andere haben Tränen in den Augen vor so viel Schönheit. Da ist kein Platz mehr dafür, solche Momente nach ihrem Wert einzuschätzen, das wäre Hochmut. Demut zeigt sich anders. Sie fährt auf dem Fahrrad nicht am Löwenzahn vorbei, sondern sie hält an, beugt sich nach unten und lässt das Wunder auf sich wirken. Danach kommen Ehrfurcht und Dankbarkeit zum Zuge, nämlich dem gegenüber, der das geschaffen hat und uns Menschen in diese Schöpfung hineingestellt hat: der Schöpfergott. Demut hat nichts mit Unterwürfigkeit zu tun, sondern sie ist das dankbare Annehmen dieser wunderbaren Momente.

Der Apostel Petrus hat in seinem Brief den folgenden Satz geschrieben: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Gnade ist immer ein unverdientes Geschenk. In seinen Wundern begegnet uns Gott, und die Begnadeten erkennen IHN darin.

Uwe Bachmann


Foto: Ferdinand Ohms / pixelio.de
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