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27.03.2019

Moment mal...


Alle drei Monate verfasst unser Gemeindemitglied Uwe Bachmann sein „Moment mal...“, das eine feste Rubrik im Gemeindebrief ist.



Ver-gebung
Ich muss an dieser Stelle ehrlich bekennen: In manchen Fällen habe ich so meine Probleme damit bestimmte Dinge zu vergeben. Ich könnte auch sagen: Ich bin da nachtragend. Das ist nicht unbedingt eine positive Eigenschaft und ich will mich auch nicht damit herausreden, dass es doch wohl den meisten Menschen so geht. Oder? Und als Christ weiß ich erst recht, dass Gott selbst mich zur Vergebung auffordert. Und nach einer gewissen Zeit gelingt mir das auch, selbst in „schwersten“ Fällen.

Ich habe mir nämlich selbst so eine Hilfsmittelpalette aus drei Argumenten hergestellt. Zuerst führe ich mir vor Augen, was Gott selbst mir immer wieder alles vergibt, Tag für Tag, und Jesus erwartet von mir „siebzigmal siebenmal“ zu vergeben - also immer. So steht es im Matthäus-Evangelium.

Das zweite Argument: Wie oft müssen die Menschen aus meiner Umgebung mir vergeben, weil ich das einfach erwarte? Ich werde so oft schuldig an meinen Mitmenschen. Und wenn ich dann immer noch nicht vergeben kann, dann erinnere ich mich an eine Geschichte, die ich mal gelesen habe. 1945 wird das KZ Dachau befreit, die Gefangenen von ihren Qualen erlöst und die Verantwortlichen verhaftet. Die Aufseher und Wachleute bekommen jeweils eine Tafel um den Hals gehängt, dann werden die noch lebenden Häftlinge an ihnen vorbei geführt. Jeder von ihnen darf für erlittene Grausamkeiten, Folter und Mord einen Strich auf die Tafel schreiben. Die Anzahl der Striche unterstreicht die Grausamkeit der meisten Aufseher. Nur eine Gruppe polnischer Priester geht still an den zu Schau Gestellten vorbei und weigert sich Striche zu ziehen. Sie überlassen Gott die Vergeltung. Sie wissen, sie sind zur Vergebung aufgefordert.

Wie kann ich heute mit meinen kleinen Problemchen da anders handeln? Wenn wir bestimmte Aufträge an Handwerker oder Firmen ver-geben, dann geben wir doch die Verantwortung in kompetentere Hände. Dann sollte es uns doch mit dem Ver-geben von Schuld auch möglich sein. Wir übergeben das in die kompetenten Hände unseres Vaters im Himmel, denn der ist allemal gerecht.

Uwe Bachmann
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