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19.11.2017

Moment mal...


Alle drei Monate verfasst unser Gemeindemitglied Uwe Bachmann sein "Moment mal...", das eine feste Rubrik im Gemeindebrief ist.

Vertrautheit
Jede Freundschaft, jede Ehe beginnt mit einer persönlichen Begegnung, der dann ein persönliches Kennenlernen folgt. Im Laufe der Zeit lernen sich die Beteiligten immer intensiver kennen, und im Idealfall entsteht daraus eine Freundschaft oder mehr. Je mehr Zeit die Betroffenen sich lassen, desto vertrauter werden sie sich. Sie kennen die gegenseitigen Stärken und Schwächen sowie Vorlieben und Abneigungen. Aber auch das Vertrauen der einen gegenüber der anderen Person wächst - bis zur Vertrautheit. Das ist dann noch eine Stufe tiefer. Man erlebt das bei „alten“ Freunden oder Ehepaaren. Bisweilen bedarf es keiner Worte mehr, um sich gegenseitig zu verstehen.

Das ging mir vor einiger Zeit durch den Kopf, als ich eine Begebenheit aus dem Leben des biblischen Königs Hiskia las. Er wurde von einem anderen König bedroht, sein Volk und sein Land sollten von einer feindlichen Übermacht überfallen werden. Er erhielt einen Drohbrief vom gegnerischen König. Was war zu tun? Sein hoffnungslos unterlegenes Heer hatte keine Chance auf einen Sieg. Starke Verbündete hatte er auch nicht.

Hiskia tat etwas anderes. Im Buch der Könige stehen folgende Worte: „Als Hiskia diesen Brief gelesen hatte, ging er hinauf zum Hause des HERRN und breitete ihn aus vor dem HERRN“ (2. Könige 19,14). Welch ein Vertrauen! Oder anders: Welche Vertrautheit spricht aus diesen Worten! Fast hört man den König sprechen: „Gott, ich habe Angst. Meine Chancen zu gewinnen sind gleich NULL, ich weiß nur einen Ausweg, und das bist du. Ich gebe das in deine Hände ab.“ Wie ein ängstliches Kind sich an den Vater wendet, so legt er sich in Gottes Hände.

Eine derartige Vertrautheit ist das Ergebnis eines tiefen Kennenlernprozesses. Das ergibt sich nicht von heute auf morgen, sondern setzt ein beständiges Wachstum voraus. Aber wie kann das gelingen? Kann das überhaupt gelingen? Dazu muss man wissen: Gott will ja, dass wir als seine Kinder in enger Gemeinschaft mit ihm leben, er will uns begegnen. Und er gibt uns immer wieder die Chance das umzusetzen. Wir begegnen ihm im persönlichen Gebet, also in der Zwiesprache mit ihm, aber auch in der wiederkehrenden Bibellese, im Gottesdienst, in der Gemeinschaft mit anderen Christen. So entsteht eine Vertrautheit, die uns immer wieder zum himmlischen Vater führt - in Freud und Leid, in jeder Lebenssituation. Es liegt an mir persönlich.

Uwe Bachmann

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