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25.09.2020

Moment mal...


Friedhof
Ich denke, ich werde mit meinem „Geständnis“ bei manchem auf Unverständnis stoßen, aber: Ich liebe Friedhöfe. Schon als kleines Kind freute ich mich immer, wenn ich mit meinen Eltern und meiner Oma auf den Friedhof durfte. Die Erwachsenen kümmerten sich um das Grab meines Großvaters, und ich strolchte um die Gräber herum. Noch heute erinnere ich mich gerne an den Duft der Buchsbaum- und Lebensbaumhecken. Vieles hat sich seit damals verändert, aber immer noch besuche ich diese Stätte gerne, manchmal mit der Aufgabe, mich um die anvertrauten Gräber zu kümmern, aber dann auch wieder, um mir selbst eine Freude zu bereiten. Und das gelingt in jeder Jahreszeit. Da kann sich mein Auge satt sehen an den vielen bunten Blumen der verschiedenen Jahreszeiten, meine Ohren werden erfreut von den Gesängen und dem Gezwitscher der zahlreichen Vogelarten, und der Ort ist einfach eine Oase der Ruhe. Bänke laden zum Verweilen ein, Bäume spenden Schatten vor der heißen Sonne, und ihre Düfte dringen in die Nase. Mitten in der Stadt, gar nicht weit vom tosenden Getümmel des Straßenverkehrs entfernt, finde ich eine Insel der Muße, nur wenige Minuten vom geschäftigen Leben der Innenstadt entfernt: Ruhe, Stille, Besinnung. Das tut gut! Auf den Rundgängen „treffe“ ich alte Bekannte: Familienmitglieder, Freunde, Kollegen, Nachbarn, Geschwister aus der Gemeinde. Ihre sterblichen Überreste ruhen hier, und ihre Grabsteine lassen Erinnerungen aufkommen an gemeinsam erlebte Zeiten und Ereignisse. Und noch etwas erlebe ich immer wieder: Die Erkenntnis, dass meine Zeit auf dieser Erde begrenzt ist und irgendwann ein Ende haben wird.

Nicht umsonst hören wir auf vielen Beerdigungen häufig die Warnung aus Psalm 90: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Gott möchte, dass wir vorbereitet sind auf den Tag, der unvermeidlich kommen wird; und vorbereitet zu sein, das bedeutet, schon zu Lebzeiten Vorsorge für die Ewigkeit zu treffen. Unser Glaube ist uns Hoffnung und Gewissheit zugleich, dass wir nach dem Sterben unsere Ewigkeit bei Gott verbringen werden, während unsere sterblichen Überreste auf dem Friedhof zurückbleiben. Meine Empfehlung: öfter mal auf einen Spaziergang mit offenen Augen, Ohren über den Friedhof gehen. Vielleicht redet Gott selbst mit uns.

Uwe Bachmann
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