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26.09.2021

Moment mal...


Spatz
Es gibt eine Bibelstelle aus dem Buch der Sprüche Salomos, die mich immer wieder an meine Kindheit erinnert, wenn ich dieses Wort lese. Das Ereignis mag jetzt etwa siebzig Jahre hinter mir liegen, aber es steht mir auch heute noch wie aktuell vor Augen.

Mein Schulweg führte mich immer den Wernershagener Weg hinunter zur Wasbeker Straße. Häufig fuhr ich ihn auch nicht alleine. Gegenüber dem heutigen Falderapark, damals war es ein Schwimmbad, fiel uns häufiger ein etwas sonderbar gekleideter Mann mit einem ewig bellenden Hund auf. Wie Kinder nun mal so sind: Wir ärgerten ihn, indem wir seinen Hund reizten. Er schimpfte mit uns. Eines Tages, ich war allein unterwegs, verfing sich mein rechtes Hosenbein in der Kette des vorderen Zahnkranzes. Ich stürzte mit dem Rad, konnte meine Hose nicht mehr befreien und war völlig hilflos. Die Tränen standen mir in den Augen. Ich hatte in meiner Aufregung gar nicht mitbekommen, wo mein Unfall geschehen war: in Höhe des Falderabades. Plötzlich hörte ich Schritte und erkannte: Es war der Mann, den wir dauernd ärgerten.

Jetzt war für ihn der Moment der Rache gekommen! Mir war klar, dass er mich ausschimpfen würde; aber nichts dergleichen passierte. Wortlos drehte er an der Pedale, das Hinterrad bewegte sich, die Kette lief weiter, meine Hose war wieder frei. Er krempelte mein rechte Hosenbein, in dem eine kleines Loch war, hoch, und sagte: „So wird es gehen. Fahr vorsichtig zur Schule!“ Ich stand auf, schluchzte immer noch, diesmal wohl, weil mir alles so peinlich war, und fuhr dann weiter. Was hatte ich alles erwartet, nichts davon geschah. Und dennoch: Das Handeln des Mannes hatte mich tief getroffen, und fortan fuhr ich grüßend an ihm vorbei auf dem Weg zur Schule. Und wenn meine Schulkollegen ihn wieder ärgern wollten, versuchte ich sie zu hindern.

Wie oft sehen wir in anderen Menschen Gegner oder gar Feinde. Von unserer Reaktion kann es abhängen, ob sie zu Freunden werden. Ach ja, das Bibelwort: „Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser, denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen, und der HERR wird dir’s vergelten. (Sprüche 25; 21 und 22)

Uwe Bachmann
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